Hitzewelle 2026: So können Pflege- und Seniorenheime gekühlt werden

Hitzewelle 2026 So können Pflege- und Seniorenheime gekühlt werden

Der Sommer 2026 hat es erneut gezeigt: Hitzewellen sind für Deutschland keine Ausnahme mehr, sondern eine wiederkehrende Belastung – besonders für vulnerable Gruppen. Ältere und pflegebedürftige Menschen zählen zu den Personen, die am stärksten unter extremer Hitze leiden, weil ihr Körper Temperaturschwankungen schlechter ausgleichen kann und viele von ihnen unter Vorerkrankungen leiden. Pflege- und Seniorenheime stehen deshalb vor der Aufgabe, ihre Einrichtungen so vorzubereiten, dass Bewohnerinnen und Bewohner auch an sehr heißen Tagen sicher betreut werden können.

Warum Hitze für Pflegeheime ein besonderes Risiko ist

Hitzeschlag und Dehydratation gehören zu den häufigsten hitzebedingten Gesundheitsproblemen in der stationären Pflege. Hinzu kommen bauliche und personelle Herausforderungen: Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass nur ein kleiner Teil der Einrichtungen über Klimaanlagen oder vergleichbare Kühltechnik verfügt, und auch ein systematischer Hitzeschutzplan ist längst nicht überall vorhanden.

Der BIVA-Pflegeschutzbund beschreibt die Lage als sehr uneinheitlich: Manche Häuser haben Trink- und Beobachtungspläne, kontrollieren Räume systematisch und schaffen kühle Aufenthaltsbereiche. Andere kämpfen weiterhin mit überhitzten Bewohnerzimmern, fehlender Verschattung und schlecht nutzbaren Lüftungsmöglichkeiten – verschärft durch den anhaltenden Personalmangel in der Pflege.

Kurzfristige Maßnahmen im akuten Hitzefall

Wenn die Temperaturen bereits steigen, zählt jede Stunde. Zu den wichtigsten Sofortmaßnahmen gehören:

  • Verschattung und Lüften in den kühlen Morgenstunden: Rollläden, Jalousien und Vorhänge tagsüber geschlossen halten, früh am Morgen und spät abends stoßlüften.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Bewohnerinnen und Bewohner regelmäßig und aktiv zum Trinken animieren, um Dehydratation vorzubeugen.
  • Anpassung der Betreuung: Kurzfristige Aufstockung des Betreuungsschlüssels, etwa durch den Einsatz von Ehrenamtlichen, um Pflegekräfte zu entlasten.
  • Kühle Rückzugsräume: Einrichtung eines klimatisierten oder besonders kühlen Aufenthaltsraums, in dem sich Bewohnerinnen und Bewohner während der heißesten Tagesstunden aufhalten können.
  • Anpassung der Medikation: Rücksprache mit Hausärztinnen und Hausärzten, da manche Medikamente die Hitzeverträglichkeit zusätzlich beeinträchtigen können.
  • Reduzierung der Aktivitäten: Kürzere Ausflüge, verschobene Termine und angepasste Tagesstruktur an heißen Tagen.

Mittelfristige Vorbereitung vor dem Sommer

Vieles lässt sich bereits vor Beginn der heißen Jahreszeit organisieren:

  • Schulung des Personals zu Hitzefolgeerkrankungen und Erste-Hilfe-Maßnahmen
  • Einführung eines an heiße Tage angepassten Sommerspeiseplans mit leichten, wasserreichen Speisen
  • Einrichtung kühler Pausenräume für das Personal
  • Klare Informationsweitergabe an Beschäftigte, Angehörige und Besucherinnen und Besucher über Aushänge oder Rundschreiben
  • Benennung einer Hitzeschutzbeauftragten oder eines Hitzeschutzbeauftragten als zentrale Ansprechperson, die Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes empfängt und weiterleitet

Langfristige bauliche Maßnahmen

Nachhaltiger Hitzeschutz braucht auch strukturelle Investitionen:

  • Außenliegende Beschattung wie Markisen, Rollläden oder Sonnensegel, die deutlich wirksamer sind als reine Innenraumverdunkelung
  • Klimaschonende Klimatisierungstechnik, etwa mit Wärmepumpen oder adiabaten Kühlsystemen, statt klassischer, energieintensiver Klimaanlagen
  • Verbesserte Lüftungssysteme, die auch nachts einen Luftaustausch ermöglichen
  • Begrünung von Fassaden und Außenbereichen, um die Aufheizung von Gebäuden zu verringern
  • Kühle Außenbereiche, etwa schattige Gärten oder Terrassen, die Bewohnerinnen und Bewohnern trotz Hitze einen Aufenthalt im Freien ermöglichen

Die Finanzierung solcher Maßnahmen bleibt allerdings eine offene Frage. Da es bislang keinen eigenständigen Fördertopf für Hitzeschutzinvestitionen in der Pflege gibt, müssen viele Einrichtungen die Kosten selbst tragen oder auf die Refinanzierung über die Pflegesätze hoffen.

Der Hitzeschutzplan als zentrales Instrument

Fachleute empfehlen jeder Einrichtung einen individuellen Hitzeschutzplan, der kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen kombiniert und regelmäßig mit allen Beschäftigten besprochen wird. Ein solcher Plan sollte nicht nur auf Papier existieren: Wie der BIVA-Pflegeschutzbund betont, nützt ein Hitzeschutzplan wenig, wenn er lediglich in einem Ordner liegt und im Alltag nicht gelebt wird.

Ein gutes Beispiel liefert das Projekt HIGELA (Hitzeresiliente und gesundheitsfördernde Lebens- und Arbeitsbedingungen in der stationären Pflege) der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) gemeinsam mit der AWO. Einrichtungen, die daran teilnehmen, entwickeln unter anderem ein Ampelsystem, das Maßnahmen nach Temperaturstufen zuordnet – vom „grünen“ Normalbetrieb bis zu klar definierten Schritten bei Überschreiten kritischer Temperaturen.

Fazit

Hitzewellen wie die des Sommers 2026 werden künftig häufiger auftreten. Pflege- und Seniorenheime sollten deshalb Hitzeschutz nicht als einmalige Reaktion auf eine akute Wetterlage verstehen, sondern als festen Bestandteil ihrer Qualitäts- und Risikomanagement-Prozesse. Eine Kombination aus kurzfristigen Sofortmaßnahmen, gut vorbereiteten Sommerplänen und langfristigen baulichen Investitionen ist der wirksamste Weg, um Bewohnerinnen und Bewohner zuverlässig zu schützen – vorausgesetzt, ausreichend Personal steht zur Verfügung, um die Maßnahmen im Alltag auch tatsächlich umzusetzen.


Quellen

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