
Auch im höheren Alter kann regelmäßige Bewegung einen wichtigen Beitrag dazu leisten, möglichst lange selbstständig, beweglich und aktiv zu bleiben. Dafür muss es nicht unbedingt ein Fitnessstudio oder ein anspruchsvolles Trainingsprogramm sein. Viele Übungen lassen sich mit wenig Platz und einfachen Hilfsmitteln direkt zu Hause durchführen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Menschen ab 65 Jahren grundsätzlich mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche. Zusätzlich sind Muskelkräftigung an mindestens zwei Tagen pro Woche sowie – insbesondere bei eingeschränkter Mobilität – Übungen zur Verbesserung von Gleichgewicht und Sturzprävention sinnvoll.
Dieser Beitrag stellt sieben Übungen vor, die sich für ein einfaches Training zu Hause eignen. Dabei gilt: Die Übungen sollten an die individuelle Fitness angepasst werden. Bei bestehenden Erkrankungen, Schmerzen, Schwindel oder deutlichen Bewegungseinschränkungen sollte vor dem Training ärztlicher oder physiotherapeutischer Rat eingeholt werden.
Warum Bewegung im Alter so wichtig ist
Mit zunehmendem Alter können Muskelkraft, Beweglichkeit, Ausdauer und Gleichgewicht nachlassen. Regelmäßige körperliche Aktivität kann dazu beitragen, diese Fähigkeiten länger zu erhalten.
Laut WHO kann Bewegung unter anderem die körperliche Fitness, Muskel- und Knochenfunktion sowie das Gleichgewicht verbessern. Außerdem wird regelmäßige Aktivität mit einem geringeren Sturzrisiko und verschiedenen gesundheitlichen Vorteilen in Verbindung gebracht.
Auch die US-amerikanische Gesundheitsbehörde CDC empfiehlt für Menschen ab 65 Jahren eine Kombination aus Ausdauertraining, Muskelkräftigung und Gleichgewichtsübungen.
1. Aufstehen vom Stuhl
Das Aufstehen von einem stabilen Stuhl gehört zu den besonders alltagstauglichen Übungen. Es trainiert vor allem Beine und Gesäß und kann dabei helfen, Bewegungen wie das Aufstehen vom Sofa oder von der Toilette leichter zu bewältigen.
So geht es:
- Aufrecht auf einen stabilen Stuhl setzen.
- Füße etwa hüftbreit aufstellen.
- Den Oberkörper leicht nach vorne neigen.
- Kontrolliert aufstehen.
- Kurz aufrecht stehen.
- Langsam wieder hinsetzen.
Je nach Leistungsfähigkeit können zunächst fünf bis acht Wiederholungen genügen. Wichtig ist eine kontrollierte Bewegung und kein hastiges Hinsetzen.
2. Wadenheben im Stand
Wadenheben lässt sich problemlos neben einem stabilen Tisch oder einer Küchenarbeitsplatte durchführen. Die Übung stärkt die Wadenmuskulatur und trainiert gleichzeitig die Stabilität im Stand.
So geht es:
- Aufrecht stehen und sich bei Bedarf leicht festhalten.
- Beide Fersen langsam vom Boden abheben.
- Kurz auf den Zehenspitzen stehen.
- Fersen kontrolliert wieder absenken.
- Etwa acht bis zwölf Wiederholungen durchführen.
Wer unsicher steht, sollte die Übung unbedingt mit einer stabilen Abstützmöglichkeit durchführen.
3. Beinstrecken im Sitzen
Diese Übung eignet sich besonders für ein sanftes Training und kann auf einem stabilen Stuhl durchgeführt werden.
So geht es:
- Aufrecht auf dem Stuhl sitzen.
- Ein Bein langsam nach vorne ausstrecken.
- Das Bein kurz halten.
- Anschließend kontrolliert absenken.
- Danach die Seite wechseln.
Je nach Fitness sind etwa acht bis zwölf Wiederholungen pro Bein ein möglicher Einstieg.
Die Übung beansprucht insbesondere die vordere Oberschenkelmuskulatur. Diese spielt im Alltag beispielsweise beim Aufstehen und Gehen eine wichtige Rolle.
4. Schulterkreisen
Nicht jede Übung muss anstrengend sein. Schulterkreisen kann als einfache Mobilisationsübung in ein Training eingebaut werden und benötigt weder Geräte noch viel Platz.
So geht es:
- Aufrecht sitzen oder stehen.
- Schultern langsam nach oben ziehen.
- Anschließend nach hinten und unten kreisen.
- Danach die Richtung wechseln.
- Einige Wiederholungen langsam und kontrolliert durchführen.
Dabei sollte nicht mit Schwung gearbeitet werden. Die Bewegung sollte angenehm bleiben und keine Schmerzen verursachen.
5. Seitliches Beinheben
Beim seitlichen Beinheben wird die seitliche Hüft- und Beinmuskulatur beansprucht. Gerade für ältere Menschen kann die Kräftigung der Beine und Hüfte sinnvoll sein, wenn sie sicher und angepasst durchgeführt wird.
So geht es:
- Hinter einem stabilen Stuhl aufrecht stehen.
- Bei Bedarf beide Hände an der Lehne abstützen.
- Ein Bein langsam seitlich anheben.
- Kurz halten.
- Kontrolliert zurückführen.
- Danach die Seite wechseln.
Der Oberkörper sollte möglichst aufrecht bleiben. Es ist nicht erforderlich, das Bein besonders hoch anzuheben.
6. Einbeinstand mit Unterstützung
Gleichgewichtsübungen gehören zu einem altersgerechten Bewegungsprogramm dazu. Die CDC nennt beispielsweise das Stehen auf einem Bein als mögliche Balanceaktivität für Menschen ab 65 Jahren.
So geht es:
- Hinter einen stabilen Stuhl stellen.
- Eine oder beide Hände an der Lehne lassen.
- Ein Bein nur wenige Zentimeter vom Boden abheben.
- Die Position kurz halten.
- Fuß wieder absetzen und die Seite wechseln.
Anfangs sollte immer eine sichere Möglichkeit zum Festhalten vorhanden sein. Wer Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht hat, sollte diese Übung nicht ohne geeignete Sicherung durchführen.
7. Gehen auf der Stelle
Gehen auf der Stelle bringt Bewegung in den Alltag und kann als einfaches Ausdauertraining eingesetzt werden. Je nach Fitness kann die Übung wenige Minuten oder länger durchgeführt werden.
So geht es:
- Aufrecht stehen.
- Abwechselnd die Füße anheben.
- Die Arme locker mitschwingen lassen.
- In einem angenehmen Tempo beginnen.
- Nach und nach die Dauer erhöhen.
Wer unsicher steht, kann sich zunächst in der Nähe einer stabilen Abstützmöglichkeit bewegen. Alternativ kann auch normales Gehen in der Wohnung oder ein kurzer Spaziergang genutzt werden.
So könnte ein einfaches Training aussehen
Für Anfänger ist es meist sinnvoll, nicht sofort mit einem langen Training zu beginnen. Die WHO empfiehlt Menschen, die bisher wenig aktiv waren, mit kleinen Mengen körperlicher Aktivität zu starten und Dauer, Häufigkeit und Intensität schrittweise zu steigern.
Ein mögliches Training könnte beispielsweise so aussehen:
- Zwei bis drei Minuten lockeres Gehen auf der Stelle.
- Aufstehen vom Stuhl: 5 bis 10 Wiederholungen.
- Wadenheben: 8 bis 12 Wiederholungen.
- Beinstrecken im Sitzen: 8 bis 12 Wiederholungen pro Seite.
- Seitliches Beinheben: 8 bis 12 Wiederholungen pro Seite.
- Schulterkreisen: mehrere langsame Wiederholungen.
- Einbeinstand mit sicherer Unterstützung.
- Zum Abschluss einige Minuten lockeres Gehen.
Zwischen den Übungen können Pausen eingelegt werden. Bei einem neuen Trainingsprogramm ist es wichtiger, regelmäßig zu üben, als sich möglichst stark zu belasten.
Wie oft sollten Senioren zu Hause trainieren?
Es gibt nicht die eine optimale Trainingsdauer für jeden Menschen. Entscheidend sind Alter, Gesundheitszustand, Beweglichkeit und bisheriges Aktivitätsniveau.
Für Erwachsene ab 65 Jahren nennt die CDC als Orientierung mindestens 150 Minuten moderate Ausdaueraktivität pro Woche, zusätzlich muskelkräftigende Aktivitäten an mindestens zwei Tagen und Aktivitäten zur Verbesserung des Gleichgewichts.
Das bedeutet jedoch nicht, dass Anfänger sofort dieses Pensum absolvieren müssen. Auch kürzere Bewegungseinheiten sind ein sinnvoller Anfang. Die WHO betont ausdrücklich, dass jede Bewegung besser ist als keine Bewegung.
Sicherheit geht vor
Beim Training für Senioren sollte Sicherheit immer wichtiger sein als die Anzahl der Wiederholungen.
Einige grundlegende Regeln:
- Nur auf einem rutschfesten Untergrund trainieren.
- Stabile Möbel statt wackeliger Gegenstände zum Festhalten verwenden.
- Ausreichend Platz schaffen.
- Langsam und kontrolliert trainieren.
- Bei ungewöhnlichen Schmerzen, starkem Schwindel oder Unwohlsein die Übung abbrechen.
- Nach längeren Bewegungspausen zunächst mit geringer Intensität beginnen.
- Bei gesundheitlichen Einschränkungen das Trainingsprogramm mit Arzt oder Physiotherapeut abstimmen.
Besondere Vorsicht ist bei Gleichgewichtsproblemen geboten. Übungen im Einbeinstand sollten beispielsweise nicht mitten im Raum ohne Möglichkeit zum Festhalten durchgeführt werden.
Was bringt regelmäßiges Training im Alltag?
Ein Trainingsprogramm für Senioren sollte nicht ausschließlich aus einzelnen Übungen bestehen. Auch Alltagsbewegung zählt. Spaziergänge, Treppensteigen, Gartenarbeit, Hausarbeit oder Radfahren können zur körperlichen Aktivität beitragen. Die WHO weist darauf hin, dass Bewegung nicht nur beim klassischen Sport stattfindet, sondern auch im Alltag.
Gerade für ältere Menschen kann eine Kombination sinnvoll sein: regelmäßiges Gehen für die Ausdauer, gezielte Kraftübungen für die Muskulatur und Balanceübungen für die Stabilität.
Fazit: Fit im Alter ist auch zu Hause möglich
Die sieben vorgestellten Übungen sind bewusst einfach gehalten und benötigen normalerweise keine speziellen Fitnessgeräte. Aufstehen vom Stuhl, Wadenheben, Beinstrecken, Schulterkreisen, seitliches Beinheben, Einbeinstand und Gehen auf der Stelle decken unterschiedliche Bereiche wie Kraft, Beweglichkeit, Gleichgewicht und Ausdauer ab.
Wer im Alter möglichst lange beweglich und selbstständig bleiben möchte, sollte Bewegung zu einem regelmäßigen Bestandteil des Alltags machen. Dabei muss das Training weder kompliziert noch besonders intensiv sein. Ein langsamer Einstieg und eine kontinuierliche Steigerung können sinnvoller sein als ein überforderndes Trainingsprogramm.
Die offiziellen Empfehlungen von WHO und CDC zeigen zudem, dass ältere Menschen besonders von einer Kombination aus Ausdauer, Muskelkräftigung und Gleichgewichtstraining profitieren können.
Quellen und weiterführende Informationen
- WHO: Physical activity – Empfehlungen und gesundheitliche Vorteile
- WHO: Physical activity – Empfehlungen für Menschen ab 65 Jahren
- CDC: Older Adult Activity – Empfehlungen für Menschen ab 65 Jahren
- CDC: Welche Aktivitäten für ältere Menschen geeignet sind
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle medizinische oder physiotherapeutische Beratung.