Die demografische Entwicklung gehört zu den wichtigsten Faktoren für den zukünftigen Pflegebedarf in Deutschland. Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, pflegebedürftig zu werden. Gleichzeitig erreichen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer nach und nach höhere Altersgruppen. Dadurch dürfte die Zahl der Pflegebedürftigen in den kommenden Jahrzehnten weiter steigen.
Für eine Betrachtung im Jahr 2026 ist allerdings zwischen aktuellen Statistikdaten und langfristigen Vorausberechnungen zu unterscheiden. Die aktuellste vollständige Pflegestatistik stammt vom 31. Dezember 2023. Damals waren in Deutschland insgesamt 5.688.473 Menschen pflegebedürftig.
Pflegebedürftige nach Altersgruppen 2023
Die amtliche Statistik zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Alter und Pflegebedürftigkeit. Von den Ende 2023 insgesamt 5,69 Millionen Pflegebedürftigen waren 78 % mindestens 65 Jahre alt. Rund 34 % waren 85 Jahre oder älter.
Die absoluten Werte der Altersgruppen lassen sich aus der Destatis-Datenbank ablesen:
| Altersgruppe | Pflegebedürftige 2023 |
|---|---|
| unter 50 Jahre | rund 171.000 |
| 50 bis unter 60 Jahre | 251.433 |
| 60 bis unter 65 Jahre | 277.342 |
| 65 bis unter 70 Jahre | 340.985 |
| 70 bis unter 75 Jahre | 471.425 |
| 75 bis unter 80 Jahre | 590.800 |
| 80 bis unter 85 Jahre | 1.124.039 |
| 85 bis unter 90 Jahre | 1.201.092 |
| 90 bis unter 95 Jahre | 549.401 |
| 95 Jahre und älter | 168.654 |
| Insgesamt | 5.688.473 |
Quelle: Statistisches Bundesamt, GENESIS-Online, Tabelle 22421-0001.
Besonders auffällig ist die Gruppe der 80- bis unter 90-Jährigen. Allein auf die beiden Altersgruppen 80 bis unter 85 und 85 bis unter 90 Jahre entfielen 2023 mehr als 2,3 Millionen Pflegebedürftige.
Pflegebedürftigkeit nimmt mit dem Alter stark zu
Nicht nur die absolute Zahl, sondern vor allem die Pflegequote innerhalb einer Altersgruppe verdeutlicht den Zusammenhang mit dem Alter.
| Altersgruppe | Einordnung der Pflegequote |
|---|---|
| 70 bis unter 75 Jahre | rund 11 % pflegebedürftig |
| 80 Jahre und älter | etwa die Hälfte pflegebedürftig |
| 90 Jahre und älter | rund 87 % pflegebedürftig |
Für die 70- bis 74-Jährigen lag die Pflegequote Ende 2023 bei rund 11 %. Bei den mindestens 90-Jährigen erreichte sie dagegen 87 %. Destatis weist außerdem darauf hin, dass 2023 etwa die Hälfte der Menschen ab 80 Jahren pflegebedürftig war.
Diese Unterschiede sind für die Demografie der Pflege besonders wichtig: Selbst wenn sich die Gesamtbevölkerung nur wenig verändert, kann eine steigende Zahl hochaltriger Menschen zu einem erheblichen zusätzlichen Pflegebedarf führen.
Die Altersstruktur der Pflegebedürftigen im Überblick
Eine vereinfachte Zusammenfassung zeigt die Bedeutung der höheren Altersgruppen:
| Altersbereich | Bedeutung für die Pflegestatistik |
|---|---|
| unter 65 Jahre | Minderheit der Pflegebedürftigen |
| 65 bis unter 80 Jahre | deutlich zunehmende Zahl |
| 80 bis unter 85 Jahre | sehr hohe absolute Zahl |
| 85 bis unter 90 Jahre | eine der größten Pflegegruppen |
| 90 Jahre und älter | sehr hohe Pflegequote |
Dabei darf allerdings nicht übersehen werden, dass auch jüngere Menschen pflegebedürftig sein können. Pflegebedürftigkeit ist keine reine Alterserscheinung. Krankheiten, Behinderungen, Unfälle und andere Einschränkungen können in jedem Lebensalter zu einem Pflegebedarf führen.
Entwicklung der Gesamtzahl seit 2017
Die Zahl der Pflegebedürftigen ist seit Einführung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs deutlich gestiegen.
| Jahr | Pflegebedürftige |
|---|---|
| 2017 | 3.414.378 |
| 2019 | 4.127.605 |
| 2021 | 4.961.146 |
| 2023 | 5.688.473 |
Quelle: Destatis, GENESIS-Online.
Von 2021 bis 2023 nahm die Zahl um rund 730.000 Personen beziehungsweise 15 % zu. Destatis weist allerdings darauf hin, dass die Entwicklung auch durch den seit 2017 geltenden weiter gefassten Pflegebedürftigkeitsbegriff beeinflusst wird.
Langfristige Vergleiche müssen deshalb mit etwas Vorsicht interpretiert werden. Ein Teil des Anstiegs ist nicht ausschließlich auf die Alterung der Bevölkerung zurückzuführen.
Warum steigt der Pflegebedarf bis 2050?
Für die kommenden Jahrzehnte ist vor allem die Alterung der geburtenstarken Jahrgänge relevant. Die Babyboomer erreichen nach und nach das höhere Erwachsenenalter. Gleichzeitig steigt die Zahl der Menschen, die 80 Jahre oder älter sind.
Nach den aktuellen Bevölkerungsvorausberechnungen wird die Zahl der Menschen ab 80 Jahren von rund 6,1 Millionen im Jahr 2024 bis 2050 auf etwa 8,5 bis 9,8 Millionen steigen.
Damit wächst genau jene Altersgruppe, in der Pflegebedürftigkeit besonders häufig vorkommt.
Altersgruppen der Bevölkerung bis 2050
Die Entwicklung der Bevölkerung ab 67 und 80 Jahren ist deshalb ein wichtiger Indikator für den künftigen Pflegebedarf.
| Altersgruppe | Ausgangswert | Entwicklung bis 2050 |
|---|---|---|
| 67 bis 79 Jahre | 10,7 Mio. im Jahr 2024 | nach Anstieg bis Mitte der 2030er anschließend rückläufig |
| 80 Jahre und älter | 6,1 Mio. im Jahr 2024 | etwa 8,5 bis 9,8 Mio. im Jahr 2050 |
| 67 Jahre und älter | 16,4 Mio. als Ausgangswert der früheren Vorausberechnung | deutlicher Anstieg bis Ende der 2030er |
Die Entwicklung der 67- bis 79-Jährigen und der ab 80-Jährigen verläuft dabei nicht parallel. Die Zahl der 67- bis 79-Jährigen soll nach der 16. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung zunächst bis 2037 auf etwa 14 Millionen steigen. Anschließend wechseln viele dieser Jahrgänge in die Altersgruppe ab 80 Jahren.
Pflegebedürftige 2050: Welche Prognosen gibt es?
Bei langfristigen Prognosen sollte nicht mit einer einzigen scheinbar exakten Zahl gearbeitet werden. Vorausberechnungen hängen unter anderem davon ab, wie sich Bevölkerung, Lebenserwartung, Migration und altersspezifische Pflegequoten entwickeln.
Eine ältere Pflegevorausberechnung des Statistischen Bundesamtes kam für 2050 auf eine Bandbreite von etwa 6,7 bis 7,5 Millionen Pflegebedürftigen.
Die aktuell auf der Destatis-Seite dargestellte Pflegevorausberechnung verwendet unterschiedliche Annahmen. Bei konstanten Pflegequoten könnte die Zahl von 5,0 Millionen Ende 2021 auf 6,8 Millionen im Jahr 2055 steigen. Unter der Annahme, dass die Pflegequoten noch bis 2027 aufgrund des erweiterten Pflegebedürftigkeitsbegriffs zunehmen, werden für 2055 rund 7,6 Millionen Pflegebedürftige ausgewiesen.
| Zeitpunkt | Größenordnung der Pflegebedürftigen | Grundlage |
|---|---|---|
| 2021 | rund 5,0 Mio. | Pflegestatistik |
| 2023 | rund 5,7 Mio. | Pflegestatistik |
| 2035 | mehr als 5,6 Mio. | Vorausberechnung bei konstanten Pflegequoten |
| 2050 | etwa 6,7 bis 7,5 Mio. | ältere Pflegevorausberechnung |
| 2055 | etwa 6,8 bis 7,6 Mio. | je nach Annahme |
| 2070 | etwa 6,9 Mio. bzw. bis rund 7,6 Mio. | je nach Pflegequoten-Annahme |
Die Zahlen sind keine sicheren Vorhersagen, sondern Modellrechnungen. Destatis weist ausdrücklich mehrere Varianten aus, weil die zukünftige Entwicklung der Pflegequoten nicht sicher bekannt ist.
Warum sind Prognosen bis 2050 mit Unsicherheiten verbunden?
Die Entwicklung der Pflegebedürftigkeit hängt nicht ausschließlich von der Bevölkerungszahl ab. Entscheidend ist auch, wie hoch die Pflegewahrscheinlichkeit in den jeweiligen Altersgruppen künftig sein wird.
Wenn Menschen beispielsweise länger gesund bleiben und Pflegebedürftigkeit später eintritt, könnte der Anstieg geringer ausfallen. Steigen dagegen die Pflegequoten in bestimmten Altersgruppen, kann die Zahl der Pflegebedürftigen stärker zunehmen.
Auch Migration, Geburtenentwicklung und Lebenserwartung verändern die Altersstruktur. Deshalb werden Bevölkerungsvorausberechnungen grundsätzlich in verschiedenen Varianten erstellt. Die aktuelle 16. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes reicht bis 2070 und umfasst zahlreiche Varianten.
Babyboomer und Pflege: Warum die 2030er-Jahre wichtig werden
Die Babyboomer spielen für die Pflegeentwicklung eine besondere Rolle. Die geburtenstarken Jahrgänge werden in den kommenden Jahren zunehmend älter.
Zunächst wächst dadurch die Zahl der Menschen im Rentenalter. Anschließend erreicht ein großer Teil dieser Generation die Altersgruppe, in der Pflegebedürftigkeit deutlich häufiger vorkommt.
Das Statistische Bundesamt erwartet deshalb insbesondere ab Mitte der 2030er-Jahre einen deutlichen Anstieg der Zahl der Menschen ab 80 Jahren. Für 2050 werden je nach Variante 8,5 bis 9,8 Millionen Menschen in dieser Altersgruppe erwartet.
Was bedeutet die demografische Entwicklung für die Pflege?
Die Alterung der Bevölkerung betrifft nicht nur die Zahl der Pflegebedürftigen. Auch die Versorgung selbst wird beeinflusst.
Wenn mehr Menschen auf Unterstützung angewiesen sind, steigt der Bedarf an:
- ambulanten Pflegediensten,
- Pflegeheimen,
- Pflegefachkräften,
- Pflegehilfskräften,
- Angehörigenpflege,
- Kurzzeit- und Verhinderungspflege,
- barrierefreiem Wohnraum,
- altersgerechten Wohnungen,
- Pflegeberatung und Unterstützungsangeboten.
Gleichzeitig verändert sich das Verhältnis zwischen potenziell Erwerbstätigen und älteren Menschen. Die Zahl der Menschen im Erwerbsalter wird nach der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung langfristig sinken. Das betrifft auch das Arbeitskräfteangebot in der Pflege.
Pflegebedürftige Statistik 2026: Aktueller Stand
Für einen Beitrag im Jahr 2026 ist die Unterscheidung zwischen aktueller Statistik und Prognose besonders wichtig.
Die aktuellste vollständige Pflegestatistik weist für Ende 2023 rund 5,69 Millionen Pflegebedürftige aus. Die Daten zeigen eine starke Konzentration auf höhere Altersgruppen. Gleichzeitig liefern die Bevölkerungsvorausberechnungen Hinweise darauf, dass die Zahl der Menschen im hohen Alter bis 2050 deutlich steigen wird.
| Kennzahl | Aktueller Stand / Prognose |
|---|---|
| Pflegebedürftige Ende 2023 | 5,69 Mio. |
| Anteil 65 Jahre und älter | 78 % |
| Anteil 85 Jahre und älter | 34 % |
| Pflegequote ab 90 Jahren | rund 87 % |
| Menschen ab 80 Jahren 2024 | 6,1 Mio. |
| Menschen ab 80 Jahren 2050 | ca. 8,5–9,8 Mio. |
| Pflegebedürftige 2050 | je nach Modell etwa 6,7–7,5 Mio. |
Fazit
Die Demografie ist ein wesentlicher Faktor für die zukünftige Entwicklung der Pflege in Deutschland. Bereits die Pflegestatistik 2023 zeigt, dass Pflegebedürftigkeit stark mit dem Alter zusammenhängt. Während bei den 70- bis 74-Jährigen rund 11 % pflegebedürftig waren, lag die Pflegequote bei den mindestens 90-Jährigen bei etwa 87 %.
Besonders relevant ist deshalb die Entwicklung der Bevölkerung ab 80 Jahren. Nach der aktuellen Bevölkerungsvorausberechnung dürfte diese Altersgruppe bis 2050 erheblich wachsen. Gleichzeitig rechnen die Pflegevorausberechnungen mit einem weiteren Anstieg der Zahl der Pflegebedürftigen.
Für 2026 lässt sich daher festhalten: Die aktuellste vollständige Ist-Statistik stammt aus dem Jahr 2023, während die Zahlen bis 2050 beziehungsweise 2055 Modellrechnungen darstellen. Je nach Annahmen zur demografischen Entwicklung und zu den Pflegequoten ergeben sich unterschiedliche Ergebnisse. Eine Zahl für das Jahr 2050 sollte deshalb immer zusammen mit der zugrunde liegenden Variante betrachtet werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- Statistisches Bundesamt: Pflegestatistik 2023
- Destatis: Pflegebedürftige nach Alter, Geschlecht und Versorgungsart – GENESIS-Online
- Destatis: Zahl der Pflegebedürftigen steigt bis 2070 deutlich an
- Destatis: Künftige Bevölkerungsentwicklung in Deutschland
- Destatis: Entwicklung der Zahl älterer Menschen
- Bundesministerium für Gesundheit: Gesundheitsförderung und Prävention im Alter