Wie werden Pflegebedürftige in Deutschland versorgt? Welcher Anteil erhält ausschließlich Pflegegeld, wie viele Menschen werden durch ambulante Pflegedienste unterstützt und wie viele leben in einem Pflegeheim? Ein Blick auf die amtliche Pflegestatistik zeigt, dass die häusliche Pflege weiterhin die wichtigste Versorgungsform ist.
Für einen Vergleich im Jahr 2026 muss allerdings zwischen dem Betrachtungsjahr und dem Statistikjahr unterschieden werden. Die aktuellste vollständige bundesweite Pflegestatistik bezieht sich auf den 31. Dezember 2023. Die Daten wurden vom Statistischen Bundesamt im Dezember 2024 veröffentlicht.
Ambulante und stationäre Pflege im Überblick
Ende 2023 waren in Deutschland insgesamt 5.688.473 Menschen pflegebedürftig. Davon wurden 4.888.882 Personen zu Hause versorgt. 799.591 Menschen erhielten vollstationäre Pflege in einem Pflegeheim.
| Versorgungsform | Pflegebedürftige 2023 | Anteil an allen Pflegebedürftigen |
|---|---|---|
| Zu Hause insgesamt | 4.888.882 | 85,9 % |
| Ausschließlich durch Angehörige / Pflegegeld | 3.103.007 | 54,5 % |
| Mit oder durch ambulante Pflege-/Betreuungsdienste | 1.100.672 | 19,3 % |
| Pflegegrad 1 mit ausschließlich landesrechtlichen bzw. ohne Leistungen | 683.500 | 12,0 % |
| Vollstationär im Pflegeheim | 799.591 | 14,1 % |
| Insgesamt | 5.688.473 | 100 % |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2023. Die Kategorien sind nicht vollständig additiv, da insbesondere Pflegegrad-1-Fälle gesondert ausgewiesen werden.
Damit wurden 2023 rund 86 % der Pflegebedürftigen zu Hause und etwa 14 % vollstationär in Pflegeheimen versorgt.
Entwicklung von Pflegegeld, ambulanten Diensten und Pflegeheimen
Ein Vergleich der Jahre 2017 bis 2023 macht die Entwicklung besonders deutlich.
| Jahr | Pflegebedürftige insgesamt | Pflegegeld / Angehörige | Ambulante Pflegedienste | Vollstationäre Pflegeheime |
|---|---|---|---|---|
| 2017 | 3.414.378 | 1.764.904 | 829.958 | 818.289 |
| 2019 | 4.127.605 | 2.116.451 | 982.604 | 818.317 |
| 2021 | 4.961.146 | 2.553.921 | 1.046.798 | 793.461 |
| 2023 | 5.688.473 | 3.103.007 | 1.100.672 | 799.591 |
Quelle: Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik bzw. GENESIS-Online.
Die Werte für „Pflegegeld / Angehörige“ entsprechen dabei der statistischen Kategorie „Versorgung zu Hause allein durch Angehörige“. Sie ist eng mit dem ausschließlichen Bezug von Pflegegeld verbunden. Bei den ambulanten Pflegediensten werden dagegen auch Pflegebedürftige mit Kombinationsleistungen berücksichtigt.
Pflegegeld und Angehörigenpflege
Die Angehörigenpflege bildet einen besonders großen Bereich der Versorgung. Im Jahr 2023 wurden 3.103.007 Pflegebedürftige allein durch Angehörige zu Hause versorgt. Das entsprach 54,5 % aller Pflegebedürftigen.
Zum Vergleich:
- 2017: 1.764.904 Personen
- 2019: 2.116.451 Personen
- 2021: 2.553.921 Personen
- 2023: 3.103.007 Personen
Zwischen 2017 und 2023 stieg diese Zahl damit deutlich an. Gleichzeitig erhöhte sich die Gesamtzahl der Pflegebedürftigen ebenfalls stark.
Wichtig ist dabei, dass „Pflegegeld“ und „Pflege durch Angehörige“ statistisch nicht in jeder Hinsicht gleichzusetzen sind. Die Destatis-Kategorie „Versorgung zu Hause allein durch Angehörige“ entspricht den Personen, die ausschließlich Pflegegeld nach § 37 SGB XI erhalten. Personen mit Kombinationsleistungen werden dagegen der Versorgung mit beziehungsweise durch ambulante Pflegedienste zugerechnet.
Ambulante Pflegedienste gewinnen an Bedeutung
Auch die Zahl der Menschen, die zu Hause mit Unterstützung eines ambulanten Pflege- oder Betreuungsdienstes versorgt werden, ist gestiegen.
| Jahr | Pflegebedürftige mit ambulanten Diensten |
|---|---|
| 2017 | 829.958 |
| 2019 | 982.604 |
| 2021 | 1.046.798 |
| 2023 | 1.100.672 |
Von 2017 bis 2023 erhöhte sich die Zahl damit um rund 33 %.
Im Jahr 2023 wurden knapp 1,1 Millionen Pflegebedürftige zu Hause mithilfe oder vollständig durch ambulante Pflege- und Betreuungsdienste versorgt. Das entsprach rund 19 % aller Pflegebedürftigen.
Ein weiterer Faktor ist die Entwicklung der ambulanten Infrastruktur. Die Zahl der ambulanten Pflegedienste stieg von 14.050 im Jahr 2017 auf 15.549 im Jahr 2023.
Stationäre Pflege im Zeitvergleich
Bei der vollstationären Versorgung zeigt sich dagegen eine wesentlich geringere Veränderung.
| Jahr | Vollstationär versorgte Pflegebedürftige |
|---|---|
| 2017 | 818.289 |
| 2019 | 818.317 |
| 2021 | 793.461 |
| 2023 | 799.591 |
Die Zahl lag 2023 damit sogar etwas unter dem Niveau von 2017. Gegenüber 2021 gab es allerdings wieder einen leichten Anstieg.
Destatis berichtet, dass die Zahl der vollstationär in Pflegeheimen versorgten Menschen zwischen 2021 und 2023 um rund 6.000 beziehungsweise 0,8 % zunahm. Gleichzeitig stieg die Zahl der zu Hause versorgten Pflegebedürftigen um rund 17 %.
Pflegeheime und ambulante Pflegedienste im Vergleich
Auch bei der Zahl der Einrichtungen zeigt sich eine unterschiedliche Entwicklung.
| Jahr | Pflegeheime | Ambulante Pflegedienste |
|---|---|---|
| 2009 | 11.634 | 12.026 |
| 2011 | 12.354 | 12.349 |
| 2013 | 13.030 | 12.745 |
| 2015 | 13.596 | 13.323 |
| 2017 | 14.480 | 14.050 |
| 2019 | 15.380 | 14.688 |
| 2021 | 16.115 | 15.376 |
| 2023 | 16.505 | 15.549 |
Stichtag ist jeweils der 15. Dezember. Seit 2019 sind bei den ambulanten Diensten auch ambulante Betreuungsdienste einbezogen.
Die Zahl der Pflegeheime ist zwischen 2009 und 2023 von 11.634 auf 16.505 gestiegen. Bei den ambulanten Pflegediensten gab es im gleichen Zeitraum einen Anstieg von 12.026 auf 15.549 Einrichtungen.
Warum nimmt die häusliche Pflege so viel Raum ein?
Die Statistik zeigt, dass Pflege in Deutschland überwiegend im häuslichen Umfeld stattfindet. Dafür gibt es mehrere mögliche strukturelle Gründe. Viele Pflegebedürftige werden von Familienangehörigen unterstützt und benötigen keine vollstationäre Versorgung.
Außerdem können ambulante Dienste die häusliche Pflege ergänzen. Dadurch ist ein Pflegeheim nicht zwingend erforderlich, wenn Angehörige und professionelle Pflege gemeinsam die Versorgung organisieren können.
Die Statistik unterscheidet dabei verschiedene Versorgungsformen. Besonders wichtig ist die Trennung zwischen ausschließlicher Angehörigenpflege, ambulanter Pflege und vollstationärer Pflege. Pflegegrad-1-Fälle ohne Leistungen eines ambulanten Dienstes oder Pflegeheims werden zusätzlich ausgewiesen.
Pflegeheime werden vor allem bei höheren Pflegegraden relevant
Mit zunehmendem Pflegegrad steigt grundsätzlich die Bedeutung der stationären Versorgung. Die Destatis-Daten für 2023 zeigen beispielsweise, dass von den vollstationär versorgten Menschen nur 0,5 % Pflegegrad 1 hatten. Dagegen entfielen 37,3 % auf Pflegegrad 3, 31,1 % auf Pflegegrad 4 und 14,3 % auf Pflegegrad 5.
Gleichzeitig bedeutet ein hoher Pflegegrad nicht automatisch, dass eine stationäre Versorgung erforderlich ist. Selbst Menschen mit einem hohen Pflegegrad können zu Hause durch Angehörige und professionelle Dienste versorgt werden.
Pflegeeinrichtungen und Personal
Die Entwicklung der Versorgung lässt sich auch am Personal erkennen. 2023 arbeiteten in deutschen Pflegeheimen insgesamt 817.711 Personen. In ambulanten Pflegediensten waren 446.425 Personen beschäftigt.
Damit beschäftigten Pflegeheime weiterhin mehr Personal als ambulante Pflegedienste. Die Zahl der Beschäftigten in ambulanten Diensten ist allerdings ebenfalls über viele Jahre gewachsen.
Zwischen 2009 und 2023 stieg die Zahl der Beschäftigten in ambulanten Pflegediensten von 268.891 auf 446.425. In Pflegeheimen erhöhte sie sich im gleichen Zeitraum von 621.392 auf 817.711.
Was bedeutet die Statistik für 2026?
Für einen Beitrag mit dem Titel „Ambulante vs. stationäre Pflege Statistik 2026“ sollte berücksichtigt werden, dass die 2026er Jahreszahl nicht mit einem Statistikjahr 2026 gleichzusetzen ist.
Die derzeit verfügbare vollständige Bundesstatistik weist Daten bis zum 31. Dezember 2023 aus. Die nächste reguläre Pflegestatistik wird den weiteren Verlauf aktualisieren. Für Analysen im Jahr 2026 bilden die 2023er Zahlen deshalb die aktuellste vollständige bundesweite Vergleichsbasis.
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Pflegebedürftige insgesamt 2023 | 5,69 Mio. |
| Zu Hause versorgt | 4,89 Mio. |
| Anteil häusliche Versorgung | 85,9 % |
| Ausschließlich durch Angehörige | 3,10 Mio. |
| Mit/durch ambulante Dienste | 1,10 Mio. |
| Vollstationär im Pflegeheim | 0,80 Mio. |
| Anteil vollstationäre Pflege | 14,1 % |
| Pflegeheime 2023 | 16.505 |
| Ambulante Pflegedienste 2023 | 15.549 |
Fazit
Die Pflege-Statistik zeigt auch für die Betrachtung im Jahr 2026 ein klares Bild: Die Mehrheit der Pflegebedürftigen wird zu Hause versorgt. Besonders groß ist die Gruppe der Menschen, die ausschließlich durch Angehörige beziehungsweise über Pflegegeld versorgt werden. An zweiter Stelle steht die häusliche Versorgung mit Unterstützung ambulanter Pflege- und Betreuungsdienste. Die vollstationäre Pflege macht dagegen einen deutlich kleineren Anteil aus.
Zwischen 2017 und 2023 ist insbesondere die Zahl der zu Hause versorgten Pflegebedürftigen stark gestiegen. Die Zahl der ausschließlich durch Angehörige versorgten Menschen nahm ebenso zu wie die Zahl der durch ambulante Dienste betreuten Pflegebedürftigen. Die Zahl der vollstationär versorgten Pflegebedürftigen blieb dagegen vergleichsweise stabil.
Bei Zeitvergleichen ist allerdings Vorsicht geboten: Seit 2017 gilt ein weiter gefasster Pflegebedürftigkeitsbegriff, wodurch mehr Menschen als pflegebedürftig erfasst werden. Zusätzlich werden seit 2019 ambulante Betreuungsdienste in der Statistik berücksichtigt. Diese methodischen Änderungen sollten bei der Interpretation langfristiger Trends berücksichtigt werden.
Quellen und weiterführende Informationen
- Statistisches Bundesamt: Pflegebedürftige nach Versorgungsart, Geschlecht und Pflegegraden
- Destatis: Pflegestatistik 2023 – Deutschlandergebnisse
- GENESIS-Online: Pflegebedürftige nach Versorgungsart, Geschlecht und Alter
- Destatis: Pflegeheime und ambulante Pflegedienste im Zeitverlauf
- Destatis: 5,7 Millionen Pflegebedürftige zum Jahresende 2023