
Dass nicht nur Menschen, sondern auch Katzen trauern können, ist inzwischen gut belegt. Verliert eine Katze ihren tierischen Partner oder einen vertrauten Menschen, zeigt sich das oft deutlich im Verhalten – auch wenn nicht jede Katze gleich reagiert. Eine Befragung der American Society for the Prevention of Cruelty to Animals ergab, dass betroffene Katzen nach dem Tod einer anderen Katze weniger fraßen, mehr schliefen und mehr Laute gaben. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen normalisierte sich das Verhalten innerhalb von 6 Monaten wieder.
Wenn deine Katze trauert, kannst du ihr mit ein paar einfachen, aber wichtigen Maßnahmen helfen, diese schwere Zeit besser zu bewältigen.
1. Routinen so wenig wie möglich verändern
Katzen sind Gewohnheitstiere. Gerade jetzt brauchen sie Stabilität. Halten Sie an Ihrer Routine fest, zum Beispiel indem Sie zu den gleichen Zeiten füttern wie früher – gewohnte Abläufe geben der Katze Sicherheit. Auch das Möbel-Umstellen oder Verändern der Fütterungszeiten sollte vermieden werden, da das zusätzlichen Stress bedeutet.
2. Abschied ermöglichen, wenn möglich
Wird eine Katze beim Tierarzt eingeschläfert, bekommt die zurückgebliebene Katze davon nichts mit – sie sucht den vermissten Partner dann oft tagelang in der Wohnung. Tierärzte empfehlen daher häufig, die Katze zu Hause einschläfern zu lassen oder das tote Tier nach der Einschläferung mit nach Hause zu nehmen, damit es von den anderen Tieren noch einmal beschnuppert werden kann. Reagiert die hinterbliebene Katze dabei mit Fauchen, ist das eine normale Reaktion auf den veränderten Geruch.
3. Auf das Fressverhalten achten
Appetitlosigkeit ist eines der häufigsten Anzeichen von Trauer bei Katzen – und gleichzeitig eines der gefährlichsten. Hört eine Katze länger als ein bis zwei Tage (fast) ganz auf zu fressen, droht eine lebensbedrohliche Leberverfettung (Hepatische Lipidose). Tipps, um den Appetit anzuregen:
- Futter leicht erwärmen oder mit etwas Wasser bzw. Fleischsaft anreichern
- Während der Mahlzeiten in der Nähe bleiben, um Sicherheit zu geben
- Keine komplette Futterumstellung vornehmen, das kann zusätzlich Verdauungsprobleme verursachen
Eine Tierärztin rät: Einige Tage oder wenige Wochen Trauer sollte man jedem Hinterbliebenen einräumen, auch der Katze. In Extremfällen wie tagelanger Nahrungsverweigerung sollte man aber handeln und spätestens am zweiten Tag einen Tierarzt aufsuchen.
4. Nähe anbieten, aber nicht aufdrängen
Jage deiner Katze nicht hinterher, um sie zu trösten – lass sie von selbst zu dir kommen. Setz dich in ihre Nähe, sprich leise mit ihr und sei geduldig. Manche Katzen suchen jetzt mehr Nähe, andere ziehen sich zurück. Beides ist normal. Wichtig ist dabei der Tonfall: Ein mitleidiger, weicher Ton sollte vermieden werden, weil Katzen diesen eher als bedrohlich wahrnehmen.
5. Beruhigende Hilfsmittel in Erwägung ziehen
Pheromonprodukte können in dieser stressigen Phase unterstützen. Wohlfühlpheromone wie Feliway Classic können trauernden Katzen helfen, sich zu entspannen und mehr Sicherheit zu vermitteln. Bevor du Nahrungsergänzungsmittel oder andere Präparate einsetzt, sprich am besten mit deinem Tierarzt.
6. Nicht überstürzt eine neue Katze anschaffen
Der Impuls ist verständlich, aber meist keine gute Idee: Eine fremde Katze wird von der trauernden Katze höchstwahrscheinlich nicht willkommen geheißen und verursacht zu diesem Zeitpunkt lediglich zusätzlichen Stress. Warte daher, bis die akute Trauerphase überstanden ist, und überlege erst dann, ob und wann ein neuer Mitbewohner sinnvoll ist.
7. Tierärztlichen Rat einholen
Verändert sich das Verhalten deiner Katze drastisch oder hält die Antriebslosigkeit lange an, sollte sie tierärztlich untersucht werden – auch um körperliche Ursachen auszuschließen. Trauer kann zugrunde liegende Gesundheitsprobleme manchmal verschleiern oder sogar auslösen.
Fazit
Trauer bei Katzen ist real, individuell und meist vorübergehend. Mit Geduld, stabilen Routinen, viel Aufmerksamkeit nach Bedarf der Katze und einem wachsamen Blick auf Fressverhalten und Gesundheit kommt die Mehrheit der Katzen nach einigen Wochen bis Monaten wieder zu ihrem normalen Verhalten zurück. Im Zweifel ist der Tierarzt oder eine Verhaltensberatung immer die richtige Anlaufstelle.
Quellen:
- Hill’s Pet: Wie Katzen trauern und mit Verlust umgehen
- Herz für Tiere: Wenn Katzen trauern
- Catit: Trauern Katzen und wie können wir ihnen helfen?
- Thieme Tiermedizin: Trauer bei der Katze erkennen und unterstützen
- fellomed: Katze trauert – Wann neue Partnerkatze dazu?
- Cats.com: So unterstützen Sie Ihre Katze in der Trauerzeit
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