Wie hilft man einem Messi? – Unterstützung mit Respekt und Geduld

Wenn ein Mensch im eigenen Zuhause den Überblick verliert, sich mit Gegenständen regelrecht „zupackt“ und das Entrümpeln unmöglich erscheint, spricht man im Volksmund oft von einem „Messi“. Hinter diesem Begriff steht jedoch meist mehr als nur Unordnung: Es geht um eine Erkrankung, oft verbunden mit innerem Stress, psychischen Belastungen oder Traumata. Doch wie kann man helfen, ohne zu verletzen oder zu überfordern?


Was steckt hinter dem Messie-Syndrom?

Der medizinisch korrekte Begriff ist Hoarding-Störung. Betroffene haben große Schwierigkeiten, Dinge wegzuwerfen – auch dann, wenn sie offensichtlich nutzlos sind. Emotionale Bindung an Gegenstände, Verlustangst, Scham oder Kontrollverlust spielen dabei oft eine Rolle.

Wichtig: Messies sind keine faulen oder unordentlichen Menschen. Ihre Lebensweise ist Ausdruck eines tiefer liegenden Problems – und oft mit viel Leid verbunden.


1. Verständnis zeigen statt urteilen

Viele Betroffene schämen sich für ihre Wohnsituation und ziehen sich sozial zurück. Offene, wertschätzende Gespräche ohne Vorwürfe sind der erste Schritt. Aussagen wie:

„Ich mache mir Sorgen um dich – nicht um die Wohnung.“

sind hilfreicher als:

„So kannst du doch nicht leben!“

Ziel ist es, eine Vertrauensbasis zu schaffen – ohne Druck, aber mit ehrlichem Interesse.


2. Kleine Schritte statt große Radikalkur

Ein „großes Aufräumen“ oder das heimliche Entsorgen von Dingen führt oft zu Abwehr, Angst oder Rückzug. Hilfreicher ist:

  • Begleitung bei kleinen Aufgaben: z. B. eine Schublade ausmisten
  • Realistische Ziele: nicht die ganze Wohnung auf einmal, sondern zimmerweise
  • Gemeinsam entscheiden: Was bleibt, was darf gehen?

Wichtig ist, dass Betroffene die Kontrolle behalten – sonst entsteht Misstrauen.


3. Professionelle Hilfe anbieten

Ein echtes Messie-Syndrom braucht therapeutische Begleitung. Mögliche Anlaufstellen:

  • Psychotherapeut:innen (Verhaltenstherapie kann helfen)
  • Sozialpsychiatrische Dienste
  • Messie-Hilfen und Selbsthilfegruppen
  • Entrümpelungsfirmen mit geschultem Personal (am besten in Absprache mit Betroffenen)

Als Angehöriger oder Freund sollte man nicht die Rolle des Therapeuten übernehmen, sondern beim Finden von Hilfe unterstützen.


4. Geduld – und Grenzen

Heilung ist ein Prozess. Es kann Rückfälle geben, Verweigerung, Fortschritte – und Rückschritte. Bleibe geduldig, aber achte auch auf deine eigenen Grenzen. Du kannst helfen – aber nicht retten. Selbstfürsorge ist genauso wichtig wie Hilfe für andere.


Fazit: Helfen heißt begleiten, nicht kontrollieren

Einem Messie zu helfen bedeutet, mit Mitgefühl und Respekt da zu sein – nicht zu drängen, sondern zu verstehen. Veränderung ist möglich, wenn Unterstützung auf Vertrauen trifft. Mit kleinen Schritten, professioneller Hilfe und ehrlicher Beziehung kann aus Chaos wieder Lebensqualität werden.


Tipp: Wer helfen möchte, kann sich auch selbst beraten lassen – z. B. bei sozialen Diensten oder durch Informationsmaterialien zum Thema Hoarding-Störung.


Wenn du möchtest, kann ich auch eine Checkliste für erste Schritte oder einen Gesprächsleitfaden für Angehörige erstellen. Sag einfach Bescheid.

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