Obdachlosigkeit und Wohnungslosigkeit sind in Deutschland ernste soziale Probleme. Statistiken zeigen, dass immer mehr Menschen keinen dauerhaft gesicherten Wohnraum haben – mit weitreichenden Folgen für ihre Lebenssituation und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.
Wie viele Menschen sind betroffen?
Deutschlandweit waren laut dem Statistischen Bundesamt zum Stichtag 31. Januar 2025 rund 474.700 Personen wegen Wohnungslosigkeit untergebracht. Das bedeutet: Sie hatten keine eigene Wohnung und lebten z. B. in Not- und Gemeinschaftsunterkünften, Notunterkünften oder Übergangsquartieren. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Anstieg um etwa 8 %. (Destatis)
Diese Zahl beschreibt Menschen in Einrichtungen, berücksichtigt aber nicht alle Formen von Wohnungslosigkeit – z. B. Personen, die bei Freund:innen oder Verwandten „sofasurfen“ oder auf der Straße leben. Zudem gibt es auch Schätzungen, die insgesamt deutlich höhere Zahlen ausweisen (siehe unten).
Offizielle und Schätzwerte – warum die Zahlen variieren
Die amtliche Statistik unterscheidet verschiedene Kategorien von Wohnungslosigkeit. Sie erfasst z. B. Menschen, die in städtischen Hilfseinrichtungen untergebracht sind, aber nicht automatisch alle obdachlosen Personen auf der Straße. Eine andere Erhebung des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen nennt rund 531.600 wohnungslose Menschen in Deutschland im Jahr 2024, einschließlich Menschen in Notunterkünften, diejenigen bei Freunden und solche ohne jede feste Unterkunft. (Deutsche Welle)
Zusätzlich gibt es Hochrechnungen von sozialen Verbänden, wonach über eine Million Menschen als wohnungslos gelten könnten, wenn man alle Formen wie temporäres Unterkommen, Wohnungsnotfallhilfe und Street-Homelessness gemeinsam betrachtet. Darunter wären auch etwa rund 56.000 Menschen tatsächlich obdachlos, also ohne jede Unterkunft über Nacht. (DIE WELT)
Das zeigt: die tatsächliche Zahl wohnungsloser Menschen ist schwer exakt zu beziffern, weil Definitions- und Erfassungsmethoden unterschiedlich sind.
Wer ist besonders betroffen?
Statistische Auswertungen und Studien zeigen häufige Merkmale der betroffenen Menschen:
- Geschlecht: Männer sind überdurchschnittlich oft betroffen. Frühere Statistiken (2022) zeigen etwa einen Anteil von rund 62–63 % Männer unter den Wohnungs- oder Obdachlosen. (FEANTSA)
- Alter: Ein hoher Anteil der Betroffenen ist jünger als 25 Jahre (z. B. rund 41 % der untergebrachten wohnungslosen Personen 2025). (Destatis)
- Herkunft: Es gibt viele Menschen ohne deutschen Pass unter den Betroffenen, wobei Angaben je nach Erhebungsansatz variieren. (Statista)
Auch sozioökonomische Hintergründe wie Arbeitslosigkeit, niedrige Einkommen, Mietschulden, Trennung oder psychische Belastungen sind häufige Ursachen für Wohnungsverlust.
Regionale Unterschiede
Obdach- und Wohnungslosigkeit ist nicht nur ein Stadtproblem, aber besonders in Großstädten stark sichtbar – z. B. in Berlin, Hamburg oder Köln. Dort ist die Zahl der Menschen, die auf der Straße leben oder in Notunterkünften sind, in den letzten Jahren tendenziell angestiegen. Die wachsende Wohnungsknappheit und sehr hohe Mieten tragen dazu bei. (IamExpat in Germany)
Warum steigen die Zahlen?
Mehrere Faktoren spielen eine Rolle:
- Wohnungsnot und Mangel an bezahlbarem Wohnraum, besonders in Ballungszentren.
- Steigende Lebenshaltungskosten und Mietpreise, die finanzielle Belastung besonders für Menschen mit niedrigem Einkommen verstärken.
- Soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit, gesundheitliche Belastungen oder familiäre Krisen.
- Unzureichende statistische Erfassung bisheriger Jahre macht auch den Eindruck eines starken Anstiegs. (Deutsche Welle)
Was bedeutet das konkret?
| Bereich | Zahl / Entwicklung |
|---|---|
| Amtlich erfasste wohnungslose Personen (2025) | ~474.700 Personen (Destatis) |
| Geschätzte Gesamtzahl wohnungsloser Menschen | ~531.600 Personen (Deutsche Welle) |
| Hochrechnung inkl. „verdeckter Wohnungslosigkeit“ | > 1.000.000 Personen (DIE WELT) |
| Anteil unter 25 Jahren (2025) | ~41 % (Destatis) |
| Anteil Männer | deutlich höher als Frauen (FEANTSA) |
Fazit
Obdachlosigkeit in Deutschland ist ein komplexes und wachsendes soziales Problem. Zahlen variieren je nach Definition und Erhebungsmethode, doch klar ist: hunderttausende Menschen leben ohne gesichertes Zuhause, und viele stehen vor existenziellen Herausforderungen. Ursachen wie Wohnungsmangel, hohe Mieten, soziale Prekarität und unzureichende Hilfsangebote verschärfen die Situation. Die Solidarität aus der Zivilgesellschaft und politische Maßnahmen bleiben entscheidend, um Obdach- und Wohnungslosigkeit effektiv anzugehen.
Wenn du willst, kann ich die Ursachen, politischen Maßnahmen oder konkrete Hilfeangebote für obdachlose Menschen noch separat erläutern.